"Ein eifernder und rächender Gott ist der Herr"

Beim kfd St. Remigius  Einkehrtag „ein eifernder und rächender Gott ist der Herr“ wurden schwierige Bibelstellen-vor allem aus dem 1. Testament- durch Kanonikus Dr. Oliver Rothe neu erschlossen. Der Vers aus dem Buch Nahum, einem der kleinen Propheten ist recht unbekannt und entspricht nicht dem Gottesbild unserer Zeit, dem eines barmherzigen, vergebenden, langmütigen, rettenden Gott. (Aber es sollten ja die „schweren Nüsse“ geknackt werden.)

Der Fluchpsalm 137,9 „Wohl dem, der deine Kinder packt und sie am Felsen zerschmettert!“ und  andere Bibelstellen werden aber verständlicher, wenn man die biblischen Texte richtig einordnet, im Kontext betrachtet, die damalige Sprache berücksichtigt oder einen Perspektivwechsel wagt. Die Zerstörung Jerusalems  (587 v. Chr. ) und das babylonische Exil im Hinterkopf -  ist das Psalmgebet ein Rückblich der Verbannten auf ihr Heimweh nach Zion. Aber sogar Benediktiner streichen noch heute diesen Vers aus ihrem Psaltergebet. Verständlich ist für uns ein Jude, der diesen Vers im KZ betet, und damit sein Urvertrauen zu seinem befreienden Gott bezeugt. Anselm Grün empfiehlt bei Fluchpsalmen an unsere inneren Feinde zu denken und sie Gott hinzuhalten.

Beim Brudermord  Abels durch Kain  (Gen 4,1-16) steht ursächlich Eifersucht, ein auch heute aktuelles Thema, dahinter und trotzdem ermöglicht Gott einen Neuanfang, indem er Kain durch das Kainsmals seinen Schutz zusagt. Ein Bild von Silke Rehberg aus einer Schulbibel für 7-12jährige schaffte einen vorurteilsfreien Zugang zu der schwierigen Bibelstelle.

Die Opferung Isaaks (Gen 22,1-19), das auf Probestellen Wollen Gottes geschieht nach vielen innigen Beziehungen Abrahams und Gottes und bestätigt das 100%ige Sichverlassenkönnen und wird mit dem einschreitenden Engel zu einer Geschichte, die neues Leben schenkt, als Freiheitsgeschichte gesehen werden kann. Anselm Grüns Interpretation ist dazu sehr hilfreich.

Die Geschichte vom „Meerwunder“ (Ex 14,15-15,1) wird in jeder Osternacht gelesen und ist nur verständlich vor dem Hintergrund des guten Handelns Gottes an seinem Volk, für das Volk Israel  eine Rettungs-und Befreiungsgeschichte aus der Knechtschaft in Ägypten. Der Kreuzestod Christi ist die Kontinuität des „Ich bin der ich bin da“ des Volkes Israel, das im Roten Meer gerettet wurde. Der Durchzug durch das rote Meer spiegelt die österliche Geschichte des Heils. Paulus nennt sie eine „Taufe“, ein Vorbild der Taufe, in der wir mit Christus gestorben und auferstanden sind.

Die Geschichte von Sodom und Gomorra (Gen 19) mit Lots Frau, die zur Salzsäule erstarrt, als sie zurückschaut- welche Frau macht das nicht- und das Magnifikat Lk 1,46-55 wurden auch anders betrachtet und  unser Gerechtigkeitsgefühl bestätigt.

Schwere Kost, eine ZuMUTung waren die schwierigen Bibelstellen und sich darauf einzulassen zeugte von einem großen Zutrauen. Kanonikus Rothe ermutigte, den unbequemen Texten nicht auszuweichen, sich Fragen zu stellen -die leider nicht laut gestellt werden konnten-, sie und auch Unverständliches und Wut Gott hinzuhalten, Perspektivwechsel zu probieren und sich dem Wort Gottes zu öffnen, damit er uns heilen kann.

Im Abschlussgottesdienst fand er für den Satz Jesu im Evangelium „Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?“ (MT 12,46ff), für alle anwesenden Mütter und Frauen der kfd eine verständliche Erklärung. Jesus verhält sich menschlich, öffnet die einengenden jüdischen Familienbande seiner Zeit. Der anstößige Satz kann als Befreiungsgeschichte gedeutet werden hin zur wahren Familie aller Gotteskinder.

Unser Singen wurde von Monika Ladermann an der Orgel gefühlvoll begleitet und das 4 Frauen Team vom Förderverein S. Ludgerus Hoxfeld sorgte für die Bewirtung in angenehmer Atmosphäre. An das diamantene Ordensjubiläum von Sr. Assumpta (OCD) geb. Paula Robbe Leyking, die von Lembeck nach Hannover umgezogen ist,  wurde auch dankend gedacht.