Duo streamt seit mehr als einem Jahr Gottesdienste ins Internet

André Blicker bedient während des Gottesdienstes die beiden Hauptkameras im Mittelgang.

Auf dem Hauptmonitor in der Sakristei kann Michael Elsweier die Bilder der Kameras überwachen.

Michael Elsweier (links) und André Blicker in der Sakristei, die sonntags zur Regie umfunktioniert wird.

In der Sakristei steuert Michael Elsweier die fünf Kameras.

Auf dem Youtube-Kanal „St. Remigius Borken“ gibt es eine Übersicht der aufgezeichneten Gottesdienste.

Sie sind ein eingespieltes Team: Wenn André Blicker und Michael Elsweier sonntags gegen 10 Uhr ihren PKW samt Anhänger vor der St.-Remigius-Kirche in Borken parken, sind nicht mehr viele Worte nötig. Jeder Handgriff sitzt bei den beiden Freunden, die seit Beginn der Corona-Pandemie jeden Sonntag und an Feiertagen eine Übertragung des 11-Uhr-Gottesdienstes ins Internet ermöglichen. Kameras, Kabeltrommeln und Mischpulte werden in der Sakristei aufgebaut, in der innerhalb von wenigen Minuten ein mobiles Übertragungsstudio entsteht.

Dass sich der Aufwand lohnt, zeigen die Zahlen: Auf rund 150 bis 300 Computern, Tablets oder Smartphones wird die Übertragung live auf dem Youtube-Kanal St. Remigius Borken jedes Mal aufgerufen, im Anschluss kommen nochmal rund 500 bis 1000 Zugriffe dazu – teils feiern mehrere Personen über ein Endgerät den Gottesdienst mit. „Das zeigt, dass Menschen, die gerade nicht zur Kirche kommen können oder aus Sorge vor einer Ansteckung nicht wollen, dieses Angebot sehr gut annehmen“, sagt Blicker. An besonderen Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern ist das Interesse höher: „Am 24. Dezember konnten wir beim Familiengottesdienst rund 8000 Zugriffe verzeichnen“, gibt er ein Beispiel.

Für Blicker und Elsweier ist das Streamen, also die Übertragung ins Internet, mehr als nur ein Job. Viele Jahre ehrenamtliche Jugendarbeit verbindet die beiden Borkener mit der Propsteigemeinde, darunter Tätigkeiten im Messdienervorstand und Leitungsaufgaben in Ferienlagern. Blicker ist mittlerweile beim St.-Remigius-Amelandlager für den Bereich Organisation und Finanzen verantwortlich. Die Abläufe einer Gottesdienstliturgie sind den beiden vertraut. „Das kommt uns bei der Übertragung zugute“, ist Elsweier überzeugt.

Rund 80 Gottesdienste haben Blicker, im Hauptberuf CNC Programmierer, und Elsweier, Systemadministrator, seit April 2020 gestreamt. In Absprache mit Propst Christoph Rensing kamen die beiden, die nebenberuflich mit ihrer Firma „DJ´s NoLimit“ im Bereich Veranstaltungstechnik tätig sind, damals schnell zu dem Entschluss, die sonntägliche Liturgie ins Internet zu übertragen. „Mit zwei Kameras haben wir angefangen, mittlerweile sind fünf im Einsatz“, erklärt Blicker. Die beiden Hauptkameras im Mittelgang bedient der 36-Jährige während des Gottesdienstes manuell, eine weitere zeigt das Geschehen im Altarraum aus der Nähe, die vierte ermöglicht den Blick auf die Orgel. Die fünfte, auf der Orgelempore installiert, übermittelt die Totale, zeigt also den gesamten Kirchenraum. Welches Kamerabild im Stream zu sehen ist, erfährt Blicker über Funk von seinem Kollegen in der Sakristei, der per Knopfdruck zwischen den Kameras hin und herwechselt sowie auf eine saubere Tonmischung achtet.

Was die beiden Männer mittlerweile längst professionalisiert haben, begann durch den Lockdown mit einem Sprung ins kalte Wasser. „Für die ersten Übertragungen mussten wir noch den Internetanschluss aus einem Priesterhaus aufwändig zur Kirche führen“, blickt Blicker zurück. Längst verfügt die Kirche über einen eigenen Anschluss samt WLAN. Auch das technische Equipment liehen sich die Veranstaltungstechniker anfangs. Mittlerweile haben sie sich viel in Sachen Videotechnik beigebracht und investieren das Honorar, das sie für ihre Dienste von der Propsteigemeinde beziehen, nicht selten in neue, eigene Technik. Als Experten wissen sie um die Herausforderung bei medial vermittelten Gottesdiensten: „Während vor Ort jeder selbst entscheidet, was er oder sie sehen möchte, übernehmen wir beim Streaming die Bildauswahl.“ Möglichst attraktiv und kurzweilig soll sie sein, im besten Fall neue Impulse setzen.

Dafür greifen Blicker und Elsweier gerne zu Details. Jeder Stream beginnt mit einer aktuellen Außenaufnahme der Remigiuskirche, die sie vorab schnell mit dem Smartphone aufgenommen haben. Außerdem lenken die Techniker den Blick der Zuschauer während einzelner Lieder oder der Kommunionausteilung auf Details im Kirchenraum. Nahaufnahmen des großen Remigius-Leuchters über dem Altar, der flackernden Kerzen, der Osterkerze oder aus-gewählten Szenen in Kirchenfenstern: „Wir haben schon häufig die Rückmeldung von Zuschauerinnen und Zuschauern bekommen, dass sie ‚ihre‘ Kirche mit anderen Augen wahrnehmen“, freuen sich Blicker und Elsweier, die immer versuchen, sich in die Menschen vor den Bildschirmen hineinzuversetzen: „Sie sollen sich als Teil der Gemeinde fühlen“, formuliert Elsweier den eigenen Anspruch. Damit die Zuschauer auch praktisch mitfeiern können, tippt der 32-Jährige deshalb vor jedem Gottesdienst die einzelnen Liedtexte des Sonntags ab und blendet sie an passender Stelle ein. „Wer möchte, kann so Zuhause mitsingen.“

Auch nach der Pandemie soll es voraussichtlich ein Streaming-Angebot geben, jedoch mit festinstallierter Technik und reduziertem Aufwand. Künftig sollen auch andere die Kameratechnik mit wenigen Klicks bedienen können. „Die Planungen dafür laufen aber gerade erst an“, sagt Blicker.

Die Gottesdienstübertragung aus der St.-Remigius-Kirche, sonntags um 11 Uhr, ist auf dem Youtube-Kanal der Propsteigemeinde oder auf www.remigius-borken.de zu sehen. Außerdem können Patientinnen und Patienten des Marienhospitals die Übertragung auf Sender 31 empfangen.

 

Text und Fotos: Ann-Christin Ladermann